Historische Meilensteine

Die Badner Bahn hat Tradition. Die erste Teilstrecke wurde bereits 1886 eröffnet. Lesen Sie mehr über die Entwicklung zur beliebtesten Regionalbahn Österreichs.

Die ersten Pläne für eine schienengebundene Verbindung der Ziegelöfen im Süden Wiens mit dem Stadtzentrum gab es bereits um 1860. Die Konzession für Bau und Betrieb wurde jedoch erst 1885 an die "Neue Wiener Tramwaygesellschaft" erteilt. Die Anfangsstation lag damals in Wien-Gaudenzdorf nahe dem Margaretengürtel, über die Philadelphiabrücke, Inzersdorf, Vösendorf und Krottenbach ging es zur ersten Endstation "Wiener Neudorf". Die Strecke wurde 1886 als Dampftramway in Betrieb genommen. In den ersten beiden Betriebsjahren wurden ca. 280.000 Fahrgäste und 20 Millionen Ziegel transportiert.

1888 wurde schließlich die "Actiengesellschaft der Wiener Localbahnen" gegründet. In weiterer Folge entwickelten sich die Fahrgastzahlen und Transporte positiv und die WLB konnte 1893 die Strecke über die Eichenstraße bis zum Matzleinsdorfer Platz verlängern. Bereits 1895 wurde die Verlängerung auch in südlicher Richtung bis Guntramsdorf fortgesetzt. In der Zwischenzeit wurde von Baden nach Rauhenstein (und 1895 bis Bad Vöslau)  die erste elektrische Straßenbahn Österreichs eröffnet, deren Betrieb die WLB 1897 übernahm. 1899 wurde der Lückenschluss zwischen Guntramsdorf und Baden vollzogen.

Ein weiterer Meilenstein kann 1906/07 verzeichnet werden: Die Gesamtstrecke Wien - Baden wird elektrifiziert - durch den neuen Luxus steigen die Fahrgastzahlen 1910 auf 4 Millionen.

Während des ersten Weltkriegs musste der Betrieb aufgrund von Personalmangel und fehlenden Materialien erheblich reduziert werden. Die Ziegeleien an der Strecke wurden nach dem Krieg geschlossen, der Güterverkehr war an seinem Tiefpunkt. 1934 wurden beinahe alle Ziegeltransportwagen geschrottet. Der Personenverkehr wurde im Gegenteil wieder angetrieben, bekam jedoch auch durch den Aufschwung der Automobilwirtschaft einen Dämpfer.

1942 gab es eine bedeutende Veränderung im Aktienbesitz. Die Gemeinde Wien wurde Hauptaktionär und übertrug die Anteile an den Wiener Verkehrsbetrieb. Der Anteil sollte in den kommenden Jahren noch auf 98,5% anwachsen.

Die Fahrgastzahlen stiegen währenddessen besonders durch den Aufbau der Rüstungsindustrie auf über 12 Millionen. Durch den starken Berufsverkehr bedingt, musste der Betrieb zwischen Wien Margarethengürtel und Bösendorferstraße eingestellt werden. Die Betriebsstätte Wolfganggasse wurde damals errichtet.

1943 begann die WLB mit der Umstellung auf Gleichstrom. Geichrichterstationen wurden errichtet - die Fertigstellung konnte aber erst nach Kriegsende erfolgen. Ab August 1943 litt die Lokalbahn besonders unter den Bombenangriffen auf das Industriezentrum südlich von Wien. Zahlreiche Betriebsunterbrechungen und Beschädigungen waren die Folge. Unter anderem wurde der Bahnhof Vösendorf vollständig zerstört, Gleise verschoben, Fahrleitungsanlagen abgerissen usw. Erst Ende Mai 1945 konnte der Betrieb mit Unterstützung sowjetischer Pioniere, die in Baden residierten, provisorisch mit Dampflokomotiven wieder aufgenommen werden. Im Herbst 1947 war schließlich die ursprüngliche Strecke wieder befahrbar.

Die zunehmende Motorisierung wird stärker spürbar. 1954 wurden nur mehr 3,5 Millionen Fahrgäste gezählt. Durch die Verbesserung der Infrastruktur, neuer Wagen und das Entstehen eines neuen Ortsteils bei Maria Enzersdorf konnte die Einstellung des Betriebs abgewendet werden. 1964 wurde die erste moderne Haltestelle in Maria Enzersdorf Südstadt feierlich eröffnet. Ab 1969 konnte die WLB auch die neue U-Strab im Wiener Stadtbereich nutzen, zeitgleich wurde die Endhaltestelle von der Bösendorferstraße an der Kärntner Ring verlegt.

Die Fahrgastzahlen stiegen wieder. Um dem Aufkommen gerecht zu werden, kauften die WLB 15 Fahrzeuge aus Köln an, die 1970 auf die Strecke gingen. In den nächsten Jahren sollten weitere Investitionen folgen: 1976 wurde die Haltestelle Vösendorf-SCS eröffnet, 1979 die Gutheil-Schoder-Gasse, sowie die Erneuerung der Gleisanlagen, um die Streckengeschwindigkeit auf 80km/h zu heben. Weitere neue Triebwagen (TW 100) wurden angeschafft.

Mit der Einführung des Verkehrsverbunds Ost-Region konnte die WLB 1984 einen 1/2 Stunden-Takt nach Baden einrichten und damit eine Frequenzsteigerung von über 70% erreichen. Der überaltete Fuhrpark wurde zu diesem Zeitpunkt kontinuierlich ausgeschieden und durch neue Gelenkwagen ersetzt. Mit der Einführung des 15 Minuten-Takts 1989 war schließlich die allerletzte Fahr für die Altwagenzüge gekommen. Die sogenannten "Kölner" wurden 1993 aus dem Verkehr gezogen.

Um den Takt noch weiter zu verdichten, waren jedoch noch mehr Triebwagen notwendig. Zur Einführung des 7,5 Minuten-Takts im September 2000 waren 6 neue TW400 von Bombardier auf der Strecke. Insgesamt sind von diesem Typ, der sich besonders durch die niedrige Einstiegshöhe und teilweise Klimatisierung auszeichnet, heute 14 Stück zwischen Wien und Baden unterwegs. Die Fahrgastzahlen steigen kontinuierlich, 2004 sind es rund 8,6 Millionen.

Neben der Errichtung zusätzlicher Gleichrichter, digitaler Fahrgastinformation, Sicherungstechnik und Investitionen in die Gleisanlagen, war ein großer Schritt die Eröffnung des neuen Zentralstellwerks in Wiener Neudorf 2007. Von hier aus können alle Bahnhöfe und Zugfahrten zentral gesteuert und überwacht werden.

Seit 2010 steht nun der barrierefreie Um- und Ausbau der Badner Bahn-Infrastruktur im Fokus. Rollstuhlgerechte Zugänge, taktile Leitsysteme am Bahnsteig und optimale Beleuchtung und Information stehen im Fokus. 2014 konnte außerdem erstmals seit rund 20 Jahren eine neue Haltestelle in den Badner Bahn-Fahrplan aufgenommen werden: Baden Landesklinikum. 2014 brachte auch wieder einen neuen Fahrgastrekord: 12 Millionen Menschen nutzten die Badner Bahn dieses Jahr - sie ist damit die beliebteste Regionalbahn Österreichs.

Auch 2015 wird ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der WLB. Mit dem Baubeginn des neuen WLB-Zentrums in Inzersdorf mit moderner Remise und Betriebsgebäude nahe der Hauptwerkstatt macht sich das Unternehmen fit für die Herausforderungen der Zukunft. Im Sommer 2016 wurde bereits der Rohbau des neuen Betriebszentrums fertiggestellt.

Im Herbst 2016 startete die Ausschreibung für eine neue Generation Triebwagen für die Badner Bahn.