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Gütereisenbahn

verlief der 29.11.2006 für die Wiener Lokalbahn. Genau an diesem Tag aber, vor 120 Jahren, wurde der Personen- und Güterverkehr von der "Neuen Wiener Tramwaygesellschaft" auf der Strecke von Wien nach Neudorf aufgenommen. Grund, die Geschichte der eigentlichen Keimzelle unserer heutigen Bahnlinie, etwas näher zu betrachten.
 
Während die NWT in Wien neben der Pferdetramway auch Dampftramwaylinien für den Personenverkehr nach Baumgarten und nach Nußdorf betrieb, war die Dampftramwaylinie nach Neudorf in erster Linie für den Transport von Ziegel nach Wien bestimmt. Die damals sehr zahlreich, links und rechts unserer Bahn, befindlichen Ziegeleien lieferten täglich tausende Ziegel für die Errichtung der Ringstraßenbauten. Auch die Stadtbahngewölbe der heutigen Linie U6 wurden mit Ziegel aus dem Süden Wiens errichtet.
 
Ausgangspunkt der Linie nach Neudorf war ursprünglich der Bereich des heute nicht mehr existierenden Schönbrunner Linienamtes. Heute ist das der Bereich zwischen der U-Bahn-Station Margarethengürtel und der Schönbrunner Straße. Hier befanden sich neben einem Aufnahmsgebäude auch die Umladeanlagen für die Ziegeltruhen. Die Ziegel wurden damals in den Ziegeleien in Truhen geschlichtet und auf die "Plateauwagen" verladen. Mittels zweier Umladekräne wurden die Ziegeltruhen in Wien dann wieder auf Pferdefuhrwerke verladen.
 
Von dort aus verlief das "Trace" über die Steinbauergasse, Aßmayergasse und Südbahnhof Meidling bis zur heutigen Philadelphiabrücke. Hier wurde die Südbahn mittels einer eigenen Brücke übersetzt. Die Strecke war durchwegs eingleisig angelegt. Ausweichen konnte man nur in den Bahnhöfen. Im Bereich der Station "Inzersdorf Dampftramway" wurden der Lokomotiv- und Wagenschuppen sowie die Werkstätte und die Wasserstation errichtet. Von hier an wechselte die Trasse auf die Reichssstraße Wien-Triest. Die Änderung der Linienführung über den Güterbahnhof Inzersdorf erfolgte erst 1902 im Zusammenhang mit dem zweigleisigen Ausbau der gesamten Strecke von Wien nach Guntramsdorf. Über die Stationen "Inzersdorf Ende" (heute Neu Erlaa), "Neu Erlaa" (heute Schönbrunner Allee), "Vösendorf-Siebenhirten" und "Krottenbach" erreichte die Linie nach 12,8 Kilometern die Endstation "Wr. Neudorf".
Für den Betrieb standen acht Dampftramwaylokomotiven, 16 Personenwagen und 97 Güterwagen zur Verfügung. Gefahren wurden täglich 15 gemischte Zugspaare.
 
Ein entsprechender Erfolg stellte sich auf dieser Linie jedoch nicht ein, so daß der Verwaltungsrat der NWT diese Linien samt allem Zugehör an die neu gegründete "Actiengesellschaft der Wiener Lokalbahnen" verkaufte. Diese führte den Betrieb vorerst unverändert weiter, erkannte jedoch bald, daß nur ein entsprechender Ausbau der Bahnanlagen für den Güterverkehr und Personenverkehr eine Verbesserung der Lage bringen würde. Der kostspielige Betrieb zum Hundsturm wurde 1893 aufgelassen und die Gleisanlagen wieder an die NWT verkauft.
 
Stattdessen errichtete man eine neue Strecke zur Matzleinsdorfer Linie (heute Matzleinsdorfer Platz) mit Anschluß an die Pferdebahn der "Wiener Tramwaygesellschaft". Gleichzeitig wurde auch der "Frachtenbahnhof Matzleinsdorf", heute Bhf. Wolfganggasse errichtet.
 
Die schon für die NWT konzessionierte Verlängerung von Wr. Neudorf nach Guntramsdorf wurde 1894 eröffnet. Der Plan, die Städte Wien und Baden mittels einer "Locomotiveisenbahn" zu verbinden, wurde mit dem Bau der damals schon elektrifizierten und zweigleisigen Linie von Guntramsdorf nach Leesdorf verwirklicht. Hier bestand der Anschluß an das Netz der Straßenbahn in Baden, deren Betrieb die AG der Wiener Lokalbahnen schon 1897 übernommen hat. Somit waren die beiden Städte, von der Südbahn abgesehen, mit der Eisenbahn verbunden.
 
Die wechselvolle Geschichte unserer Bahn geht jedoch noch weiter. Mehr davon in der nächsten Ausgabe.